CI-Kinder und Eltern

CI-Kinder und Eltern in Thüringen

Erlebnisbericht vom 2. MED-EL-Elternseminar in Eyba

Vom Freitag, dem 21. November bis zum Sonntag, dem 23. November 2003 fand ein Elternseminar mit den Hörgeschädigtenpädagogen Sigrid und Dr. Uwe Martin aus Bremen statt. Die Firma MED-EL Deutschland GmbH hatte Eltern, beteiligte Pädagogen und andere Interessenten ins Schlosshotel Eyba eingeladen, um über das Thema “Kinder mit CI: neugierig, initiativ, selbstbewusst” zu diskutieren.

Der Empfang

Die Mitarbeiter von MED-EL, allen voran Herr Patrick Weißer, begrüßten uns am Freitag nachmittag in den ehrwürdigen Mauern des Schlosshotels. In einer ersten Vorstellungsrunde erfuhren wir einiges über die Mit-Teilnehmer, hauptsächlich aber etwas über unsere Kinder. Damit war auch das wichtigste Thema des Wochenendes bereits definiert.

Schlosshotel Eyba

Die staugeplagte Familie Martin stieß dann zu fortgeschrittener Stunde zu uns und Herr Dr. Martin führte mit seinem Vortrag über Verstehen und Nichtverstehen in die Schwierigkeiten und Hürden der Kommunikation mit Sprache ein. Die Grundaussage, dass Sprache nicht eindeutig ist und nur transportieren kann, wovon man selbst eine Vorstellung hat, zog sich als roter Faden durch die Vorträge und Diskussionen des Seminars.

Das Vier-Gänge-Abendessen mit “weiterentwickelter Thüringer Küche” leitete einen lebhaften Diskussionsabend ein, der weit nach Mitternacht in der Bierstube des Gästehauses endete. Dabei waren Erfahrungen mit den Kindern in Schule und Vorschulbetreuung und die bilaterale CI-Versorgung wichtige Themen.

Das volle Programm

Der Samstag begann relativ früh und endete wieder spät, für manche sehr spät. Schwerpunkt der Familie Martin war das Lernen unter den erschwerten Bedingungen einer Hörschädigung. Wir müssen unseren Kindern Weltwissen vermitteln, das sie befähigt, ihr Leben aus eigener Kraft zu meistern. Hörende Kinder nehmen viel nebenbei auf, die Informationen aus ihrer Umwelt “beregnen” sie praktisch ständig. Das ist bei hörbehinderten Kindern nicht so, deshalb bedarf die Wissensvermittlung einer besonderen Aufmerksamkeit.

Die meisten CI-Kinder werden beim Hörenlernen und dem Spracherwerb bereits in sehr gutem Maße betreut und unterstützt. Eine Unterstützung beim Wissenserwerb ist dagegen besonders im Hinblick auf Schule und Ausbildung der Schwerpunkt elterlicher Arbeit und Erziehung. Sigrid und Dr. Uwe Martin zeigten viele Beispiele aus ihrer Arbeit und Ideen, Hinweise und Materialien für diese Aufgabe. Dabei wurde auch nochmals die Bedeutung von FM-Anlagen für ein besseres und weniger anstrengendes Verstehen betont.

Sind die Kinder in der Schule, ist die Zusammenarbeit mit den Lehrern und Erziehern für Eltern eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Die Bewertungskriterien für (nicht nur) sprachrelevante Aufgaben und die Motivation der Schulkinder mit CI für das Lernen mit ständig hoher Konzentration lassen sich nur schwer vereinbaren. Im Ausblick auf weiterführende Schulen und die Berufsausbildung müssen Eltern ihren Kindern bei der Bewältigung von Frust und Demotivation zur Seite stehen.

Der Abend gehörte wieder ausgiebigen Diskussionen, dem Erfahrungsaustausch und dem Tischtennisspiel. Die Anregungs- und Bücherbörse war dabei eine hervorragende Einführung. Die vorgestellten Spiele und Bücher können dazu beitragen, die Kinder an Wissen, Ideen, Emotionen und Kommunikation heranzuführen, ohne dass sie es als Schulstunde empfinden.

Fazit

Der Sonntag gehörte dann zum Teil doch noch den immer wieder aufgeschobenen Technik-Informationen. Die Firma MED-EL stellte ihr Service-Konzept, die beteiligten Mitarbeiter und die technischen Weiterentwicklungen ihrer CI-Systeme vor und zeigte an Beispielen die Fehlersuche und -beseitigung an den Sprachprozessoren und Zubehörteilen. Die Zusammenfassung zeigte, dass alle Teilnehmer viele neue Eindrücke gewonnen und Anregungen für ihr tägliches Leben mit ihren Kindern mitnehmen konnten.

Das Seminar wurde von Anfang bis Ende von Herrn Weißer und seinen Kollegen hervorragend organisiert und betreut. Dafür möchten wir als Teilnehmer recht herzlich danken. Zusammenkünfte in dieser Art sind eine unglaublich wertvolle Hilfe für Eltern hörbehinderter Kinder. Es ist zu wünschen, dass diese Tradition in Zukunft weiter fortgeführt wird.

Dr. Thomas Vandahl.

Zwischendurch war auch noch Zeit für eine Schlossführung